Vom Greenhorn zum Multitalent
Peter Seller steht seit 60 Jahren im Dienst des THW

Peter Seller kann's nicht lassen. So oft es geht, schaut er bei der THW-Truppe vorbei.  | Foto: Ulrike Kiefert
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  • Peter Seller kann's nicht lassen. So oft es geht, schaut er bei der THW-Truppe vorbei.
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Erst Greenhorn, dann Allrounder: Peter Seller engagiert sich seit 60 Jahren ehrenamtlich im Katastrophenschutz. Damit ist er im THW-Ortsverband Spandau das älteste aktive Mitglied.

An einen seiner ersten größeren Einsätze erinnert sich Peter Seller noch sehr genau. Es war am 20. November 1973. Eine Explosion hatte die gesamte Vorderfront des Hauses an der Soldiner Straße 36 in Gesundbrunnen weggesprengt. "Es gab einen Toten, schrecklich", sagt Seller. Den ganzen Tag über war er mit Helfern von Feuerwehr und Polizei vor Ort, hat das Bergungsgerüst aufgebaut und den Schutt abtransportiert. Solche Katastrophen haben sich eingeprägt. Sie fallen Peter Seller als erstes ein, wenn er an seine Laufbahn beim Technischen Hilfswerk (THW) denkt.

Am 8. Oktober 1959 trat der gebürtige Spandauer in den Ortsverband ein. Sein Mitgliedsausweis trägt die Nummer 438. Peter Seller war damals 16 Jahre alt. Auf der Industrieausstellung in den Berliner Messehallen war er auf das THW aufmerksam geworden. "Mich hat vor allem die Technik interessiert", sagt der gelernte Maschinenschlosser. Sein Dienst begann für ihn als Greenhorn zunächst mit einer einfachen Tätigkeit – die Motorsäge säubern. Die konnte er dann später selbst bedienen. Beruflich arbeitete Peter Seller inzwischen als Ausbilder bei einer technischen Einheit der Polizei. Sein handwerkliches Geschick und seine technischen Kenntnisse ließen ihn beim THW schnell vorankommen. Learning by doing vertiefte er im Ortsverband seine Fachkenntnisse, machte einen Atemschutz-Lehrgang und den Extraführerschein für große Lkw, Radlager und Gerätewagen. So wurde er in wenigen Jahren vom Helfer zum Zugführer des Instandsetzungszuges und schließlich zum Truppführer.

Kameraden sind für ihn wie eine Familie

Ihren "Pit"schätzen die Kameraden sehr. Peter Seller gilt als geradlinig und ehrlich. Als einer, der in seiner typisch bodenständigen Art sein Wissen gern weitergibt und zupacken kann, wo immer eine helfende Hand gebraucht wird. Er ist ein Multitalent und Allrounder, der die Truppe nicht nur als Kraftfahrer unterstützt, sondern sie auch bei Übungen versorgt und mit dem THW-Nachwuchs ins Ausbildungslager fährt. "Die Kameraden sind für mich wie eine kleine Familie", sagt Peter Seller, der selbst eine erwachsene Tochter hat. "Auch wenn die alten Hasen immer weniger werden."

Peter Seller sagt aber auch: "Viele Leute wissen leider viel zu wenig darüber, was wir als freiwillige Helfer im Katastrophenschutz so alles leisten." Ihn selbst erinnern Fotos und Zeitungsausschnitte daran: August 1974 Sturmeinsatz zusammen mit der Berliner Feuerwehr. 1997 Hochwasser an der Oder in Polen. Dort haben Peter Seller und die anderen Helfer eine Woche lang eine Million Kubikmeter Wasser abgepumpt, viele lange Leitungen verlegt und 50 Kilogramm schwere Sandsäcke geschleppt. 2002 Elbehochwasser. 2016 Hochwasser am Inn in Bayern. Dort bereitete Peter Seller mit der mobilen Trinkwasseranlage des THW frisches Trinkwasser auf, weil die Versorgung zusammengebrochen war. 2018 Unwettereinsatz in den Spandau-Arcaden, im Sport Centrum Siemensstadt und in der Martin-Buber-Oberschule, wo der Keller vollgelaufen war.

Nicht alle Einsätze hat Peter Seller noch parat. Aber er hat ausgerechnet, wie viele Stunden in den 60 Jahren beim THW Spandau mindestens zusammengekommen sind. Sie summieren sich auf 1625 Arbeitstage und viereinhalb Arbeitsjahre. "Bereut habe ich davon keine Sekunde", sagt Seller, der 2016 vom Spandauer Bürgermeister die Goldene Ehrennadel bekam.

Heute ist Peter Seller im Ruhestand, geht wieder öfter Segeln, gehört aber immer noch zum Team des THW. Als "Leuchtturm" und Vorbild. Dafür gab's zum 60. Jubiläum die verdiente Ehrenurkunde.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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