Austausch nach dem Schock
Selbsthilfegruppe für Amputierte gleicht Mängel in der Nachsorge aus

Die Selbsthilfegruppe für Amputierte trifft sich regelmäßig im Seniorenclub Lindenufer. | Foto: Christian Schindler
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Seit fünf Jahren trifft sich eine Gruppe Menschen, die Amputationen hinter sich haben, am dritten Mittwoch des Monat im Seniorenclub Lindenufer, Mauerstraße 10a. Am Rande der Altstadt finden Bein- und Armamputierte, was sie zuvor oft schmerzlich vermissten: Zuwendung und Verständnis. Diese sind neben der rein medizinischen Zuwendung nicht selbstverständlich.

Oft trifft eine Amputation, wenn nicht als Folge langer Krankheit, die Betroffenen völlig unerwartet. Das kann ein Unfall sein, aber ebenso der Befall durch Krankenhauskeime. „Für rund ein Drittel aller Amputationen sind heute Krankenhauskeime verantwortlich“, sagt Joachim Hansen, der die Selbsthilfegruppe gegründet hat. „Stellen Sie sich vor, Sie gehen wegen einer Lappalie ins Krankenhaus, und dann wird Ihnen mitgeteilt, dass Sie amputiert werden müssen“, verdeutlicht er die Lage der Patienten.

Dazu kommt, dass es oft keinen Kontakt gibt zwischen Medizin und Technik. Haben die Ärzte ihre Arbeit beendet, kommt es auf Einfühlung und Geschicklichkeit des Technikers an, der seinerseits wenig mit Medizin zu tun hat. Lobenswerte Ausnahmen gibt es, wie in Spandau die Firma Zapfe, die Sponsor der Selbsthilfegruppe ist und deren Mitarbeiter laut Hansen immer ein offenes Ohr haben, wenn es um die Verbesserung einer Prothese geht.

"Ein Stumpf verändert sich"

Eine solche Vorrichtung ist eben nicht nur eine technische Verlängerung des Körpers. „Man denkt, man bekommt die Prothese, und dann geht man einfach los, aber so ist es nicht“, sagt der ehemalige n-tv-Moderator Michael Mross, der 2016 bei einem Unfall in Sri Lanka sein rechtes Bein und seinen rechten Arm verlor. Ein betrunkener Autofahrer war in das Café gerast, in dem er gerade saß.

„Ein Stumpf verändert sich“, beschreibt Hansen eins der Probleme, die sich stellen, wenn ein Körperteil technisch ersetzt wird. Auch wenn der Techniker beste Arbeit geleistet hat, braucht es eine Gehschule, um im Alltag zurecht zu kommen. In der Spandauer Selbsthilfegruppe ist die Ergotherapeutin Konstanze Steinke Unterstützerin. 

Was sich Betroffene in Berlin mühevoll selbst erarbeiten müssen, wird in Bayern institutionell gewährt: Gemeinsame Betreuung durch Mediziner und Techniker, aber auch Beratung zu möglichen Hilfen. „In Spandau gibt es noch nicht einmal die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB)“, sagt Markus Töpfer, selbst Betroffener und EUTB-Berater beim Verein Berliner Zentrum für Selbstbestimmtes Leben behinderter Menschen.

Alltägliche Probleme

Die Mitglieder der Selbsthilfegruppe wünschen sich eine selbstverständliche Rücksichtnahme. Wer auf Gehhilfen angewiesen ist, weiß es zu schätzen, wenn Behindertenparkplätze nicht von Fahrern blockiert werden, die gut zu Fuß sind. Auf der Suche nach geeigneten Räumen für die Gruppe hatte Joachim Hansen Schwierigkeiten. Im Nachbarbezirk Reinickendorf waren sie entweder nicht barrierefrei, oder sie kosteten zu viel Miete. Außer der Spandauer Selbsthilfegruppe gibt es in Berlin nur noch eine in Marzahn und eine in Schöneberg für arabisch sprechende Menschen.

Wer sich für die Selbsthilfegruppe interessiert, kann sich bei Joachim Hansen melden unter 0151 50 00 28 18 oder per E-Mail an spandau@ampushg.de.

Autor:

Christian Schindler aus Reinickendorf

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