Spediteur der Worte: Herbert Witzel erzählt Geschichten eines legendären Schöneberger Cafés

Der Schriftsteller Herbert Witzel veröffentlicht demnächst zwei Bücher, in denen Schöneberg und Tempelhof eine Rolle spielen. | Foto: HDK
2Bilder
  • Der Schriftsteller Herbert Witzel veröffentlicht demnächst zwei Bücher, in denen Schöneberg und Tempelhof eine Rolle spielen.
  • Foto: HDK
  • hochgeladen von Horst-Dieter Keitel

Schöneberg. Anfang September kommt ein Buch in den Handel, das in einem Schöneberger Café spielt. Ein weiteres Werk, das vom Flughafen Tempelhof handelt, war bei Redaktionsschluss noch in Arbeit. „Geschichten von normalen Versagern, fiesen Verbrechern und starker Liebe“, so der Verfasser, Verleger, Drucker und Buchbinder in einer Person, Herbert Witzel.

In der zuerst erscheinenden Geschichte aus Berlin mit dem Titel „Café Milath“ geht es „um ein Eiscafé im ehemaligen Westberlin, im wilden Schöneberg. Das Café Milath war das coolste Eiscafé am Platze, der damals übrigens nur Luise-Platz hieß“, beschreibt der Autor Herbert Witzel sein autobiografisch angehauchtes Werk. Schließlich hat er selbst einst an diesem Platz gearbeitet. Und auch die Schließung des Flughafens Tempelhof nimmt er persönlich und bis heute krumm. Man darf also gespannt sein.

Herbert Witzel, Jahrgang 1948, laut Selbstbezichtigung „Berliner mit Braunschweiger Migrationshintergrund und Worttransporteur“, lebt seit 1971 hier und ist einer der letzten Vertreter der legendären Bohème, die sich Anfang der 1970er-Jahre um den Maler und „Leierkasten“-Wirt Curt Mühlenhaupt im „Kreuzberger Künstlerkreis“ sammelte. Zu diesem Club gehörte auch der damals höchst populäre Literat und Grafiker Günter Bruno Fuchs, der Witzel als Nachhilfelehrer für seine Tochter engagiert hatte, sein Schreibtalent erkannte, ihm zur ersten Buchveröffentlichung verhalf und ihn mithin in der Szene etablierte. „Seitdem ist Schreiben meine Macke“, so Witzel zur Berliner Woche. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er unter anderem in überregional namhaften Zeitungen vor allem satirische Kurzgeschichten.

Mit 40 Jahren hängte Herbert Witzel den Künstler vorübergehend an den Nagel und absolvierte nach dem Motto „irgendeinen Abschluss braucht der Mensch“ erfolgreich eine Ausbildung zum Speditionskaufmann. Nach einer rund 15-jährigen Unterbrechung ist der inzwischen in Neukölln lebende Spediteur zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und transportiert seitdem hauptsächlich Worte. Seine Werke, unter anderem Kurzgeschichten und ein Werk über Johnny Cash, entstehen kaufmännisch kalkuliert nach dem Manufakturprinzip. Witzel schreibt, druckt und bindet seine Bücher höchst professionell ganz allein. HDK

„Café Milath“, ISBN 978-3-944324-77-7, 132 Seiten mit 27 Abbildungen, Informationen: www.worttransport.de.
Der Schriftsteller Herbert Witzel veröffentlicht demnächst zwei Bücher, in denen Schöneberg und Tempelhof eine Rolle spielen. | Foto: HDK
Herbert Witzel, Jahrgang 1948, ist einer der letzten noch lebenden Vertreter der legendären Kreuzberger Boheme. | Foto: HDK
Autor:

Horst-Dieter Keitel aus Tempelhof

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

Gesundheit und MedizinAnzeige
Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem.  | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Patienten fragen
Steine in der Gallenblase – was nun?

Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem. Etwa jede fünfte Person in Europa ist betroffen, und fast die Hälfte entwickelt im Laufe des Lebens Beschwerden. Diese äußern sich meist in Form von wiederkehrenden Schmerzen, insbesondere im rechten Oberbauch. In einigen Fällen können Gallensteine zu ernsthaften Komplikationen wie einer Entzündung der Gallenblase führen. Die bevorzugte Therapie bei Beschwerden ist die operative Entfernung der Gallenblase – in der Regel...

  • Reinickendorf
  • 12.02.25
  • 273× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Informieren Sie sich über Intensivmedizin. | Foto: 2022 Tomasz Kuzminski

Infoabend am 11. Februar
Grenzen und Möglichkeiten der Intensivmedizin

Die Intensivmedizin hat erstaunliche Fortschritte gemacht und bietet schwerstkranken Patienten Überlebenschancen, die früher undenkbar waren. Doch wo liegen die Grenzen dieser Hochleistungsmedizin? Welche technischen, personellen und ethischen Herausforderungen gibt es? Besuchen Sie unseren Infoabend mit Priv.-Doz. Dr. Stephan Kurz und erfahren Sie, wie intensivmedizinische Maßnahmen Leben retten, aber auch komplexe Entscheidungen erfordern. Was geschieht, wenn Therapieoptionen ausgeschöpft...

  • Reinickendorf
  • 29.01.25
  • 909× gelesen
Gesundheit und Medizin
Das Dominikus Krankenhaus informiert zur Robotik-Chirurgie bei Hüft- und Knieschmerzen. | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Moderne Behandlung bei Hüft- und Knieschmerzen
Informationsabend Robotik-Chirurgie

Hüft- und Knieschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität und werden oft durch Verschleiß, Unfälle oder Fehlstellungen verursacht. Moderne Technologien wie die Robotik-Chirurgie bieten neue Möglichkeiten für eine präzisere und minimalinvasive Behandlung. Am 4. Januar laden wir Sie herzlich zu einem Informationsabend ein, bei dem Chefarzt Tariq Qodceiah, Leiter des Caritas Hüftzentrums, die Vorteile der Robotik-Chirurgie bei Hüft- und Knieschmerzen erläutert. Er erklärt, wie diese innovative...

  • Reinickendorf
  • 12.02.25
  • 252× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.