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Zwischen den Welten - Das Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz

Das Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz beherbergt seit 2017 den Nachlass des Künstlers.  | Foto:  Franziska Mandel
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  • Das Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz beherbergt seit 2017 den Nachlass des Künstlers.
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Ihre Hand liegt auf dem Zeichenblock, der Blick geht gleichmütig in die Ferne. Die Bronze gewordene Käthe Kollwitz am gleichnamigen Platz im Prenzlauer Berg scheint es nicht zu stören, dass ihr Menschen zu Füssen sitzen und Kinder auf ihr herumklettern. Auch der Erschaffer der Skulptur, der Bildhauer und Zeichner Gustav Seitz hatte ausdrücklich nichts dagegen – im Gegenteil: "Ich habe den Sockel extra breit und niedrig gehalten mit der Absicht, dass Kinder drauf spielen und rumkraxeln können."

Gustav Seitz, 1906 in Mannheim als Sohn eines Stuckateurs geboren, avancierte nach einer Steinmetz-Ausbildung und dem Kunststudium in Karlsruhe und Berlin schnell zu einem beachteten Künstler. Allerdings geriet er dabei oft in Konflikt mit der jeweils herrschenden Kulturbürokratie – und das nicht nur während der NS-Zeit. Die Entgegennahme des Nationalpreises der DDR für ein KZ-Mahnmal in Weißwasser sowie seine Aktivität als Gründungsmitglied der Ostberliner Akademie der Künste führte 1950 zu Suspendierung und Hausverbot an zwei Westberliner Hochschulen. Damals konstatiert er in einem Brief: „Im Osten bemühe ich mich, die Moderne durchzusetzen, im Westen bekomme ich stets eine auf den Kopf.“ Es folgte die Übersiedlung nach Ostberlin und Reisen nach Moskau, Leningrad und China. Gleichwohl blieb Seitz zeitlebens ein Wanderer zwischen den Welten, ließ sich letztlich von keiner Seite vereinnahmen. So reiste er auch nach Paris und Zürich, porträtierte in seinen Werken neben Käthe Kollwitz und Bertolt Brecht auch Picasso, die Mann-Brüder und viele mehr, wurde 1956 auch in Bremen und Mannheim ausgestellt. 1958 kehrte er wiederum der DDR den Rücken und nahm eine Professur an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg an. Dort verstarb er 1969.

Heute zählt Gustav Seitz zu den bedeutendsten deutschen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Sein umfangreicher Nachlass hat seit 2017 im Gustav-Seitz-Museum in Trebnitz ein neues Zuhause gefunden. Hier startet am 9. März parallel zur Dauer- eine Sonderausstellung mit dem Titel „Die Kunst der Liebe“. Sie zeigt vor allem das sinnliche Werk von Gustav Seitz – leidenschaftliche Darstellungen des menschlichen Körpers in Zeichnungen und Skulpturen, die eine neue Formensprache in den 1950er und 1960er Jahren prägten.

Anfahrt: Mit der Regionalbahn RB26 gelangt man stündlich in 43 Minuten von Berlin-Lichtenberg bis Trebnitz. Von diesem Bahnhof aus sind es noch 15 Minuten Fußweg bis zum Museum am Schloss.

Kontakt: Gustav-Seitz-Museum, Platz der Jugend 3a, 15374 Müncheberg OT Trebnitz, Telefon 033477 54 97 70. Geöffnet ist mittwochs bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet fünf Euro (bis 18 Jahre kostenfrei). Weitere Informationen im Internet unter gustav-seitz-museum.de.

Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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