Energieverschwendung: Gaslaternen im 24-Stunden-Betrieb
Zehlendorf. Alle Welt redet vom Energie sparen. Wenn dann ausgerechnet Gaslaternen in den Straßen rund um die Uhr brennen, ist der Unmut groß. Solche Energieverschwendung von Laternen gibt es in der Ilsenstein-, der Forst- und der Karl-Hofer-Straße.
Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weiß von den Dauerbrennern. „Die Schalter, die normalerweise die Laternen automatisch ein- und ausschalten, sind anfällig für Störungen und zudem schwer zu beschaffen. Es gibt nur noch zwei Firmen, die sie herstellen“, erklärt Sprecherin Petra Rohland. Mit anderen Worten: Die Dämmerungsschalter sind defekt.
Dauerlicht hilft
Wenn sie nicht mehr funktionieren, werden die Gaslaternen auf Dauerbetrieb eingestellt. „Aus Verkehrssicherheitsgründen“, sagt Rohland. „Es soll ja bei Dunkelheit zu keinen Autounfällen oder Stürzen auf dem Bürgersteig kommen.“
Dass die Anwohner beim Dauerlicht an Energieverschwendung denken, ist nachvollziehbar. Eine Mehrbelastung für den Steuerzahler gibt es allerdings nicht, denn die Senatsverwaltung zahlt dem Energieversorger Vattenfall eine Pauschale für Betrieb und Wartung der Stadtbeleuchtung.
Um Energie zu sparen und den CO2-Ausstoß zu mindern, setzt die Senatsverwaltung seit 2014 auf ein neues Beleuchtungskonzept und rüstet um. Von rund 224 000 Straßenleuchten funktionieren derzeit noch 34 100 mit Gas. Davon sind 8000 Reihenleuchten an Peitschenmasten aus den 1950er-Jahren in diesem Jahr bereits auf Strom umgestellt worden. „Allein diese Maßnahme bringt eine Einsparung an Energie- und Betriebskosten von drei Millionen Euro im Jahr“, erläutert Petra Rohland. Auch der CO2-Ausstoß wird drastisch verringert: Eine einzige sechsflammige Gasreihenlaterne erzeugt jährlich 1,35 Tonnen des klimaschädlichen Stoffs, eine Elektroleuchte lediglich 0,11 Tonnen.
Neben den Reihenleuchten werden auch die an Masten befestigten Gasaufsatz- und Gashängeleuchten modernisiert. Sie erhalten nach und nach umweltfreundliche LED-Birnen, die inzwischen so weit entwickelt sind, dass sie ein warmes Licht ausstrahlen, das Gaslicht sehr nahe kommt. Wichtig für Fans der Gasleuchten: Die Optik bleibt bis auf minimale Unterschiede erhalten. „Ein Laie würde den Unterschied nicht merken“, sagt Rohland. In Neukölln und Spandau wurden seit 2015 in zwei größeren Projekten 1400 Gasleuchten auf LED umgestellt. Bis 2018 will der Senat den Energieverbrauch der Straßenbeleuchtung berlinweit um 30 bis 50 Prozent reduzieren und nach und nach umrüsten. Gefördert werden die Maßnahmen durch EU-Mittel.
Unter Denkmalschutz
Ausnahme: Rund 3300 originale Gaslaternen, verteilt über neun Bezirke, bleiben und stehen unter Denkmalschutz. In Zehlendorf befinden sie sich unter anderem in der Waldsiedlung, der Siedlung Onkel Toms Hütte und im Villenviertel am Waldsee.
Was nun die Gasaufsatzlaternen im Gebiet rund um die Ilsenstein- und die Forststraße betrifft: Sie sollen so schnell wie möglich wieder funktionieren. Dazu müssen die Dämmerungsschalter ausgetauscht werden. Bis Ende des Monats sollen zudem defekte Leuchten, die nicht vor Ort instandgesetzt werden können, in einer Werkstatt repariert und wieder auf den Masten befestigt werden. uma
Autor:Ulrike Martin aus Neukölln |
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