Tag der offenen Tür beim Modelleisenbahnverein Spur 1 Berlin
Die Züge rollen über knapp 410 Schienenmeter, manche unterscheiden sich von den Originalen fast nur in der Größe. Fans von Modelleisenbahnen sollten sich den 27. Mai freihalten. Die Interessengemeinschaft Spur 1 Berlin lädt zum Tag der offenen Tür ein.
Micha, Dieter, zwei Mal Klaus, Uwe, Rita, Achim, Olaf und Wolfram – genau die Hälfte der Modelleisenbahnfreunde hat sich im ersten Stock des Werkstattbaus an der Siegfriedstraße eingefunden. Wie jeden Mittwoch frönen die Mitglieder der IG Spur 1 dort ihrem Hobby. Während sich die einen am Vorabend zu Himmelfahrt erst mal ein Bierchen gönnen, tüfteln die anderen bereits an der Anlage.
Hier wird gelötet, dort Rasen geklebt, weiter hinten bastelt jemand am neuen Betriebswerk. Uwe Gabler zeigt auf eine Dampflok, die einer echten nicht nur täuschend ähnlich sieht. Rauch steigt aus dem Schornstein, mit dem unverkennbaren Tuff-Tuff-Geräusch setzt sich das Dampfross gemächlich in Bewegung. Ein schönes Spielzeug. Für die Lichtenberger Modellbahnfreunde sind die Schienenfahrzeuge im Kleinformat nicht nur das. Die Spur 1 unterscheidet sich von den Miniaturversionen, an denen sich manch kleiner und auch großer Junge zu Hause ergötzt. Mit dem Maßstab 1:32 gilt die Spur 1 als zweitgrößtes Modellbahn-Format; übertroffen nur von der Gartenbahn im Maßstab 1:22. „Für den Hausgebrauch ist die Spur 1 kaum geeignet“, sagt Uwe Gabler. „Es sei denn, man hat ein Schloss.“
„Was mich daran fasziniert, ist die Modelltreue“, erklärt Dieter Dertz und holt eine Lok aus dem Schrank. Das Zuggefährt ist überraschend schwer, sechs Kilo wiegt das Prachtstück aus Messing und Plastik. „Da hat man doch etwas in der Hand, und man sieht alle Details.“ In der Tat wirken Einzelteile wie Kupplungen, Puffer, Speichen durchaus realistisch, selbst für Laien. „An diesem Modell ist das meiste wie beim Original“, erläutert der Fachmann. „Ein Rohr ist hier eben auch ein Rohr – mit Hohlraum. Bei den kleineren Formaten geht das gar nicht.“
Auch Türen, Fenster, Dächer, Beleuchtung – alles muss den Vorbildern möglichst nahe kommen, so wollen es die Hobby-Bahner. Selbst innen. So transportieren die Personenzüge natürlich auch Passagiere: eine Frau nebst Hund und Kind, eine Großfamilie, einen schlummernden Fahrgast im Blaumann.
Dank digitaler Gleichspannung rollen die Modellbahnen flott über die Gleise. Der Strom kommt aus den Schienen, ein Decoder in den Loks oder Tendern übersetzt das jeweilige Signal. Dann nimmt ein Zug Fahrt auf, Licht geht an oder aus, Dampf steigt auf, Signale und Fahrgeräusche erklingen. Um Authentizität bemühen sich die Modelleisenbahner auch bei den Zuglängen. 21 Wagons voller Kohlebriketts schleppt eine Diesellok. „Das ist im echten Leben ganz genau so.“
Gegründet hat sich die IG Spur 1 Berlin 1998 in Rummelsburg, seit 2006 sitzt der Verein mit seiner Anlage im Gewerbegebiet an der Siegfriedstraße. 18 Mitglieder zählt die Gemeinschaft aktuell, neue sind jederzeit willkommen. Ein paar Daten zum Anreiz: Die gesamte Anlage misst 65 Mal sieben Meter. Es gibt 69 Weichen, 11 Doppelkreuzweichen, 41 Loks und 14 Zuggarnituren.
Zu bewundern sind Diesel-, Dampf- und E-Loks in Aktion, ergänzt von Container-Wagons, Tankwagen, dem bunten Touristen-Express, dem Lkw-Zug namens „rollende Landstraße“, dem Personenzug mit Abteilwagen aus den 1930er-Jahren – auch 100-Türen-Zug genannt. Wer allerdings glaubt, eine komplett durchgestylte Anlage vorzufinden, wird enttäuscht. Zwar haben die Modellbahner für diverse hübsche Details gesorgt. Einen glasklaren Bergsee mit Enten, Schlauchboot und zwei Badenixen etwa. Hier steht ein Fachwerk-Bahnhof, dort grasen Kühe auf der Wiese. Mal passieren die Züge einen Bauernhof mit Gänsen und Schweinen, mal einen Spielplatz, auf dem sich Kinder tummeln. Dazwischen fahren sie quasi durch Niemandsland – mit jeder Menge Platz für fantasievolle Tüftler. „Das wird nie fertig“, räumt Gabler ein und klingt nicht unzufrieden. „Ehrlich gesagt, soll‘s auch gar nicht fertig werden.“
Die Modelleisenbahn-Freunde der IG Spur 1 öffnen ihre Räume immer mittwochs von 15 bis 19 Uhr. Dann kann jeder vorbeikommen, fachsimpeln, Züge auf die Reise schicken, mit werkeln oder in den Verein eintreten. All das geht auch am Sonntag, 27. Mai, von 10 bis 17 Uhr, beim Tag der offenen Tür mit vielen Vorführungen, Infos, einer Kinderbahn, Imbiss und Getränken. Der Eintritt ist frei. Zu finden ist die IG Spur 1 in der Siegfriedstraße 66-70. Wer mit dem Pkw kommt, sollte sich am Skoda-Autohaus orientieren, die Einfahrt zum Gewerbehof liegt direkt gegenüber. Parkplätze gibt es sonntags auf dem Hof. Mit den Öffentlichen empfiehlt sich Bus 256.
Autor:Berit Müller aus Lichtenberg |
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