„Barack Obama hat mich inspiriert“
Abiturient Yussef Hussain zieht es in die Politik
Knapp 15 000 Schüler haben dieses Jahr in Berlin das Abitur erlangt. Für sie beginnt nun ein neuer Lebensabschnitt. Yussef Hussain hat schon ganz konkrete Pläne, wie es für ihn weitergehen wird. Der 17-Jährige, der sein Abi am Georg-Büchner-Gymnasium mit der Gesamtnote 1,4 abschloss, möchte Politiker werden.
Sein Interesse für Politik wurde bereits in der Grundschule geweckt. Seit einer Hausaufgabe, die darin bestand, sich die Nachrichten anzusehen und anschließend darüber im Unterricht zu diskutieren, verfolgt er das politische Geschehen jeden Tag. Schon während der Schulzeit absolvierte er Praktika im Abgeordnetenhaus, Bundestag und Auswärtigen Amt. Gern möchte er noch die Seite der Wirtschaft kennenlernen, zum Beispiel die Arbeit von Start-ups und Lobbyisten. Obwohl er eine sozialdemokratische Ader in sich entdeckt hat, steht die Entscheidung noch aus, in welche Partei er eintreten wird.
Recht ist ein Pfeiler unserer Gesellschaft
Dafür steht bereits fest, dass er ab Oktober ein Studium der Rechtswissenschaften beginnt. Der frühere US-Präsident Barack Obama habe in seinem Wahlkampf einmal die Aussage getroffen, dass sinnvolle gesellschaftliche Veränderungen durch juristische Maßnahmen erreicht werden könnten. Dies habe ihn inspiriert, erzählt Yussef Hussain. Jeder Mensch werde vom Recht berührt. Das Recht sei ein Pfeiler unserer Gesellschaft. „Ich finde das sehr wichtig.“ Beworben hat er sich bei Universitäten in Würzburg und Heidelberg sowie der FU und TU Berlin. Am liebsten möchte er in der Hauptstadt bleiben. „Anfang August weiß ich, wohin es geht.“ Zunächst einmal reist er für einige Zeit in den Irak, das Heimatland seiner Eltern. Urlaub mache er dort jedoch nicht. Stattdessen sei er als Referent für die Deutsch-Irakische Bildungszusammenarbeit bei mehreren irakischen Privatschulen tätig, erklärt der Teenager. Schwerpunkte seiner Schulbesuche seien Unterrichtsmethoden, Digitalisierung und Deutsch als Fremdsprache. Die Verbindung habe das Irakische Außenministerium hergestellt. Vorgenommen hat er sich außerdem eine Pilgerfahrt nach Mekka. Die Zeit mit Freunden und der Familie soll dennoch nicht zu kurz kommen, bevor er sich im Herbst ins Studentenleben stürzt.
Engagiert im Schulalltag
„Jeder sagt mir: ‚Das Studium ist ganz anders. Daran musst du dich erst gewöhnen.‘ Ich bin gespannt“, so Yussef Hussain. Einerseits sei er glücklich, dass nun ein neuer Lebensabschnitt für ihn beginnt. Andererseits habe ihm die Schule „viel gegeben“. Das Georg-Büchner-Gymnasium am Lichtenrader Damm möchte er daher auch in Zukunft besuchen, vor allem die Podiumsdiskussionen. „Zum Ende des Schuljahres war Kevin Kühnert da. Er hat mit uns über die Rolle und Bedeutung von Jugendlichen in der Politik, über ‚Fridays for Future‘ und Upload-Filter diskutiert“, berichtet er. Gute Kontakte hatte Yussef Hussain auch immer zu einigen Lehrern, weil er in der elften Klasse ein Jahr lang Schulsprecher war und in dieser Zeit mit ihnen gemeinsam Veranstaltungen organisierte. Außerdem war er an seiner Schule auch als Mediator (Streitschlichter) gefragt und belegte dafür einen einjährigen Workshop. Eine Erfahrung, die ihm bei seinem weiteren Karriereweg helfen soll.
Die Abiturprüfungen im April und Mai hat Yussef Hussain gut überstanden, obwohl er vor den Klausuren ziemlich aufgeregt gewesen sei. Weil er sich jedoch akribisch vorbereitet hatte und sich Lernzettel zu jedem einzelnen Semester schrieb, kam er ohne Probleme durch. Nach der letzten Prüfung organisierte er sich eine eigene Abifahrt. Mit einem Freund reiste er eine Woche nach Wien, während es die meisten seiner Mitschüler in die spanische Partyhochburg Lloret de Mar zog. In schöner Erinnerung wird er auch den Abiball behalten. Viel Zeit, um zurückzublicken, bleibt allerdings nicht. Nach Ende des Sommers wird es für Yussef Hussain wieder ernst.
Autor:Philipp Hartmann aus Köpenick |
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