Bezirksamt schlägt Runde Tische vor
Mettmann-Kiez: Proteste halten an

Im Mettmann-Kiez stehen 140 Wohnungen weiterhin alternativlos vor dem Abriss. Bayer will dort seinen Unternehmensstandort erweitern. Nun versucht das Bezirksamt, am Runden Tisch zwischen protestierenden Mietern und Konzern zu vermitteln.

Im Mettmann-Kiez ist die Wut ungebremst. Trotz lautstarker Proteste der Mieter und verärgerter Bezirksverordneter hält die Bayer AG an ihren Abrissplänen fest. Laut den Mietern sollten bis Ende Februar 15 Menschen aus acht Wohnungen der Tegeler Straße 2-5 ausziehen. „Die Mieter haben Angst und sind zugleich wütend über dieses als unmenschlich empfundene Verhalten von Bayer. Sie konnten bisher keinen bezahlbaren Ersatzwohnraum finden.“ Dabei habe Bayer gegenüber der Öffentlichkeit stets betont, wie sehr man an „gemeinsamen Lösungen“ interessiert sei, teilt die Initiative „MettmannkiezBleibt“ mit. Von „unterirdischen und lächerlichen Taschenspielertricks und Täuschungen“ ist die Rede. So sei unter anderem behauptet worden, dass „einige“ ausgezogene Mieter mit Hilfe von Bayer eine neue Wohnung gefunden hätten, was die Mieter bestreiten.

Wohnungen haben keinen Bestandsschutz

Von den Abrissplänen betroffen sind die Tegeler Straße 1 bis 7 und die Fennstraße 33 und 34. Insgesamt 110 von 140 Wohnungen sind dort noch bewohnt. Laut Bayer will der Konzern dort seinen Unternehmensstandort erweitern. Das Bezirksamt hat den Abbruch der Wohnhäuser genehmigt. Das gesamte Grundstück ist seit Jahrzehnten als Gewerbegebiet ausgewiesen, die Häuser haben damit keinen Bestandsschutz. Deswegen aber mehr als 200 Menschen alternativlos auf die Straße zu setzen, können weder die Mieter noch viele Bezirksverordnete verstehen. Zumal es bis heute kein Sozialplanverfahren gibt. Die Mieter fordern das Bezirksamt und die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) daher auf, die sogenannte Umstrukturierungssatzung nach Paragraf 172 Baugesetzbuch zu erwägen. Die kann zwar den Abriss nicht verhindern, denn dafür müsste ein neues Planungsrecht her, doch besagte Satzung schreibt einen Sozialplan unter gewissen Voraussetzungen vor.

Kommunikation mit Bayer "nicht optimal"

Im Bezirksamt wächst derweil das Verständnis für die Mieter. Nach einem Vor-Ort-Termin mit rund 35 Betroffenen und der SPD-Fraktion stellte Stadtentwicklungsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) fest: Die Kommunikation von Bayern mit den Mietern sei bisher „nicht optimal“ verlaufen. „Wir schlagen jetzt Gespräche im geschützten Raum vor, wo beide Seiten, moderiert vom Bezirksamt, ihre Erwartungen und Angebote vorbringen können und gemeinsam tragfähige Lösungen entwickelt werden.“ Im Fachausschuss Soziale Stadt wiederholte Gothe das Angebot. So soll es mit dem Konzern jetzt zwei Runde Tische geben, einer moderiert von Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne), am anderen will der Stadtrat mit am Tisch sitzen.

"Bayer hat mehrfach einen Sozialplan zugesagt. Wir nehmen den Konzern hier beim Wort“

Die SPD-Fraktion hatte zuletzt einen Antrag in der BVV gestellt. Der fordert alle Beteiligten auf, nach Alternativen zum geplanten Abriss zu suchen. „Wir müssen Bayer dazu bewegen, den Zeitdruck herauszunehmen, damit in Ruhe sozialverträgliche Lösungen erarbeitet werden können. Bayer hat mehrfach einen Sozialplan zugesagt. Wir nehmen den Konzern hier beim Wort“, kommentieren die Fraktionschefinnen Susanne Fischer und Dorothea Riedel. Die Bezirksverordneten stimmten dem Antrag zu.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

53 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

Gesundheit und MedizinAnzeige
Schonende Verfahren für Ihre Rückengesundheit werden am 19. März vorgestellt. | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Informationen für Patienten
Minimal-Invasive Wirbelsäulenchirurgie

Leiden Sie unter anhaltenden Rückenschmerzen oder Wirbelsäulenbeschwerden? Moderne minimal-invasive Operationsverfahren ermöglichen eine schonendere Behandlung mit schnelleren Genesungszeiten. Erfahren Sie mehr über innovative Therapiemöglichkeiten bei unserem Infoabend mit Dr. (Univ. Kermanshah) Kamran Yawari, Teamchefarzt des Caritas Wirbelsäulenzentrums. In seinem Vortrag erläutert er die Vorteile minimal-invasiver Wirbelsäulenchirurgie und zeigt auf, wann und für wen diese Methoden sinnvoll...

  • Reinickendorf
  • 18.02.25
  • 89× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Erfahren Sie, welche proktologischen Erkrankungen häufig auftreten, welche Untersuchungsmethoden es gibt und wie moderne Behandlungsmöglichkeiten helfen können.  | Foto: pixel-shot.com, Leonid Yastremskiy

Proktologie: Ende gut, alles gut!

Unser Darm ist mit seinen 5 bis 7 Metern Länge ein wahres Wunderwerk unseres Körpers. Doch wenn es am Ende des Darms zu Erkrankungen kommt, kann das die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen – auch wenn man es nicht sieht. Aus Scham werden diese Probleme oft verschwiegen, dabei gibt es in den meisten Fällen gute Behandlungsmöglichkeiten. Wir laden Sie herzlich zu unserem Informationsabend ein! Erfahren Sie, welche proktologischen Erkrankungen häufig auftreten, welche Untersuchungsmethoden es...

  • Reinickendorf
  • 19.02.25
  • 42× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem.  | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Patienten fragen
Steine in der Gallenblase – was nun?

Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem. Etwa jede fünfte Person in Europa ist betroffen, und fast die Hälfte entwickelt im Laufe des Lebens Beschwerden. Diese äußern sich meist in Form von wiederkehrenden Schmerzen, insbesondere im rechten Oberbauch. In einigen Fällen können Gallensteine zu ernsthaften Komplikationen wie einer Entzündung der Gallenblase führen. Die bevorzugte Therapie bei Beschwerden ist die operative Entfernung der Gallenblase – in der Regel...

  • Reinickendorf
  • 12.02.25
  • 453× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Informieren Sie sich über Intensivmedizin. | Foto: 2022 Tomasz Kuzminski

Infoabend am 11. Februar
Grenzen und Möglichkeiten der Intensivmedizin

Die Intensivmedizin hat erstaunliche Fortschritte gemacht und bietet schwerstkranken Patienten Überlebenschancen, die früher undenkbar waren. Doch wo liegen die Grenzen dieser Hochleistungsmedizin? Welche technischen, personellen und ethischen Herausforderungen gibt es? Besuchen Sie unseren Infoabend mit Priv.-Doz. Dr. Stephan Kurz und erfahren Sie, wie intensivmedizinische Maßnahmen Leben retten, aber auch komplexe Entscheidungen erfordern. Was geschieht, wenn Therapieoptionen ausgeschöpft...

  • Reinickendorf
  • 29.01.25
  • 1.053× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.