Schreib mal wieder!
Hunderte Ansichtskarten bei Postcrosserin Sarah Kühn
Auf dem Küchentisch liegen Hunderte von Ansichtskarten. Daneben Schablonen, Stempel, Sticker, Schmuckbänder, Stifte, Siegelwachs und Siegel: Das alles gehört zur Sammelleidenschaft von Sarah Kühn.
Die Weißenseerin sammelt Ansichtskarten aus aller Welt. Natürlich ist sie auch stolz auf die Briefmarken, die sie mit jeder Karte bekommt. Denn neben dem Kartensammeln führt sie das Hobby ihres Großvaters weiter. An all die Ansichtskarten und Briefmarken kommt die 34-jährige über ihr spezielles Hobby. Sie entdeckte das Postcrossing für sich. Dabei handelt es sich um ein an das Bookcrossing angelehntes Projekt. Es ermöglicht einander unbekannten Menschen, Postkarten an zufällig ausgewählte andere Teilnehmer, so genannte „Postcrosser“, zu versenden. Für jede versendete Karte bekommt der Absender von einem anderen Postcrosser eine zurück. „Auf das Postcrossing machte mich meine Mama aufmerksam“, berichtet die Sammlerin. „Postkarten an wildfremde Menschen in aller Welt verschickten, das war mir zunächst etwas unheimlich. Doch dann probierte ich es Anfang 2021 aus. Und inzwischen läuft es super.“ Auf der offiziellen Internetseite der weltweiten Community www.postcrossing.com legen sich die Postcrosser ein Profil an. Und danach treten sie mit Gleichgesinnten rund um den Globus in Kontakt.
Um eine gewisse Anonymität zu wahren, lassen sich viele ihre Karten an Postfächer senden; schließlich soll nicht jeder wissen, wo genau die Empfänger wohnen. „Nur mit echten Brieffreunden, die ich inzwischen durch das Postcrossing fand, tausche ich die richtige Adresse aus, weil wir uns häufiger schreiben“, sagt Sarah Kühn. So hat sie inzwischen Brieffreunde unter anderem in Island, Neuseeland, Russland, Indien, Australien und Finnland. Und im Zuge einer dieser Freundschaften lernt sie inzwischen sogar Finnisch.
Die Weißenseerin schrieb und erhielt in den zurückliegenden zweieinhalb Jahren weit über 1000 Ansichtskarten aus aller Welt. Darunter sind auch Karten aus seltenen Herkunftsorten wie dem Vatikan, Brunei, Kamerun, Uganda und den Cook-Inseln. Aber nicht nur die Kartenmotive sind für die Sammlerin interessant, auch die Marken: „Ich bin immer wieder erstaunt, was es für unterschiedliche Briefmarken gibt“, sagt sie: runde, viereckige, dreieckige und sogar welche, die nach Erdbeeren duften.
Ansichtskarten empfangen und sammeln ist das eine. Doch Sarah Kühn verschickt natürlich auch regelmäßig Karten in alle Welt. Dazu hat sie sich inzwischen einen ganzen Fundus an Postkarten mit Hunderten Motiven angelegt. „Immer wenn ich eine besondere Motivpostkarte sehe, greife ich zu“, sagt sie lächelnd. Doch ist das Ganze nicht ein kostspieliges Hobby? Eigentlich gar nicht, erklärt die Postcrosserin. „Innerhalb von Deutschland zahlt man 70 Cent für das Porto einer Karte, ins Ausland sind es 95 Cent.“ Wenn man bedenkt, was andere Menschen in ihr Hobby investieren, ist das relativ kostengünstig. Hinzu kommt, dass man mit relativ wenig Mitteln seinen eigenen Horizont erweitern kann und sich sogar Freundschaften mit Menschen aus der ganzen Welt entwickeln können.
Karten von Postcrossern aus rund 55 Ländern hat Sarah Kühn inzwischen erhalten. Damit sie nachvollziehen kann, aus welchen Ländern sie bereits welche erhalten hat, hängt über dem Küchentisch eine große Weltkarte. Auf der setzt sie jedes Mal einen Pin, wenn eine Karte aus einem neuen Land ankommt.
Mit ihrem Hobby Postcrossing macht Sarah Kühn jetzt übrigens ernst: In diesem Monat trat sie eine neue Stelle an – als Zustellerin bei der Deutschen Post. Und vielleicht wird ihr der eine oder andere künftig auch mal auf der Straße oder im Hausflur begegnen, wenn sie Ansichtskarten oder Briefe aus aller Welt in Weißensee zustellt.
Autor:Bernd Wähner aus Pankow |
Kommentare
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.