Bevor die Bagger kommen
Nachbarschaftsgarten zur Zwischennutzung freigegeben

Bei der Unterzeichnung der Vereinbarung für eine Zwischennutzung der ehemaligen Gartenkolonie "Am Stadtpark I" als Nachbarschaftsgarten: Peter Palmreuther und Esther Knothe vom Verein Nachbarschafft und Paul Weihermüller von der Berlinovo (von links).  | Foto:  K. Rabe
3Bilder
  • Bei der Unterzeichnung der Vereinbarung für eine Zwischennutzung der ehemaligen Gartenkolonie "Am Stadtpark I" als Nachbarschaftsgarten: Peter Palmreuther und Esther Knothe vom Verein Nachbarschafft und Paul Weihermüller von der Berlinovo (von links).
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

Es ist still geworden auf dem Gelände der ehemaligen Gartenkolonie „Am Stadtpark I“. Niemand werkelt in den Gärten, keiner genießt auf seiner Scholle bei sommerlichen Temperaturen den Feierabend. Im vergangenen Herbst endeten die Pachtverträge für die Gärten. Die grüne Oase soll bebaut werden. Doch bevor die Bagger kommen, wird dem 2600 Quadratmeter großem Gelände noch so etwas wie eine Galgenfrist eingeräumt.

Auf einem der Grundstücke treffen sich am Donnerstagabend Esther Knothe und Peter Palmreuther vom Verein Nachbarschafft, Florian Seitz von der Mobilen Stadtteilarbeit Wilmersdorf, Maike Weißpflug von der Nachbarschaftsinitiative Klimainsel Wilmersdorf und Paul Weihermüller von der landeseigenen Immobiliengesellschaft Berlinovo. Anlass ist die Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung. Damit ist eine Zwischennutzung für das Gelände geregelt.

Bis zum Ende des Jahres sollen die Gärten der ehemaligen Kolonie "Am Stadtpark I" für die Anwohner geöffnet werden. „Es soll ein Nachbarschaftsgarten entstehen, in dem auch Bildungs- und Kulturveranstaltungen zu den Themen Nachhaltigkeit und Stadtnatur stattfinden“, erklärt Florian Seitz. Für diesen „letzten Sommer“ hatte sich eine Gruppe aktiver Menschen stark gemacht. Mit ihrer Initiative Klimainsel haben sie sich dafür eingesetzt, dass die Gärten bis Ende November gemeinschaftlich genutzt werden können. „Es wären schade, die Gärten in ihrer letzten Saison brach liegenzulassen“, findet Maike Weißpflug. In einer verdichteten Stadt wie Berlin sei es wichtig, Räume für grüne Zwischennutzungen zu öffnen und auf die Bedeutung solcher „Klimainseln“ aufmerksam zu machen.

Einen letzten Sommer lang sollen die Gärten noch einmal für die Nachbarn öffnen.  | Foto: K. Rabe
  • Einen letzten Sommer lang sollen die Gärten noch einmal für die Nachbarn öffnen.
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

„Wir waren von Anfang an an einer Kooperation interessiert“, erklärt Paul Weihermüller von der Berlinovo und er versichert, dass bei dem Bauprojekt, bei dem rund 270 Wohnungen für Studenten sowie eine Kita entstehen, Klima und Ökologie eine wichtige Rolle spielen. „Es entsteht ein großer Gartenbereich und ein Dachgarten“, sagt er. Im Sinne des Schwammstadtgedankens werden zudem Möglichkeiten zum Regenwassermanagement eingesetzt. Die Berlinovo übernimmt während der Zwischennutzung die Kosten für Strom und Wasser.

Und so geht es jetzt übergangsweise weiter: Bis zur Bebauung werden die Gärten von Paten betreut und regelmäßig für gemeinsame Aktivitäten geöffnet. Jeder ist eingeladen, vorbeizukommen, mitzumachen oder den Ort einfach nur zu genießen. Veranstaltungen und Bildungsangebote zu Themen wie Umwelt und Klima sollen für die Bedeutung des Stadtgrüns sensibilisieren. Im Zentrum stehen dabei die ökologische Vielfalt der Gärten und das Erleben dieses kleinen Paradieses. Vermittelt werden soll unter anderem, welchen Wert kleine Gärten als Trittsteinbiotop für Tiere und Pflanzen haben.

Nur noch vereinzelte Transparente erinnern an das Ende der Kleingartenkolonie "Am Stadtpark I".  | Foto:  K. Rabe
  • Nur noch vereinzelte Transparente erinnern an das Ende der Kleingartenkolonie "Am Stadtpark I".
  • Foto: K. Rabe
  • hochgeladen von Karla Rabe

„Natürlich betrachten wir das Bauvorhaben auch kritisch“, sagt Maike Weißpflug. „Es ist ein offener Konflikt. Ein wertvolles Stück Stadtgrün geht verloren. Die Bebauung wird sich spürbar auf das Stadtklima auswirken und beispielsweise in heißen Sommern die Temperaturen nach oben treiben“, sagt sie. Mit der Klimainsel soll noch einmal deutlich gemacht werden, wie wichtig grüne Oasen in der Stadt seien. „Mit diesem letzten Sommer wollen wir den einzigartigen Ort mit seinen alten Obstbäumen noch einmal richtig würdigen“, sagt Weißpflug. Am Ende der Saison wird es noch eine letzte gemeinsame Obsternte geben.

Am Dienstag, 28. Mai, wird der neue Nachbarschaftsgarten „Klimainsel Wilmersdorf“ an der Ecke Prinzregenten- und Waghäuseler Straße offiziell eröffnet. Von 14 bis 17.30 Uhr können unter anderem Saatgut und Pflanzen getauscht sowie mit Akteuren über Nachhaltigkeit und grüne Themen gefachsimpelt werden.

Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

36 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

Gesundheit und MedizinAnzeige
Informieren Sie sich über Intensivmedizin. | Foto: 2022 Tomasz Kuzminski

Infoabend am 11. Februar
Grenzen und Möglichkeiten der Intensivmedizin

Die Intensivmedizin hat erstaunliche Fortschritte gemacht und bietet schwerstkranken Patienten Überlebenschancen, die früher undenkbar waren. Doch wo liegen die Grenzen dieser Hochleistungsmedizin? Welche technischen, personellen und ethischen Herausforderungen gibt es? Besuchen Sie unseren Infoabend mit Priv.-Doz. Dr. Stephan Kurz und erfahren Sie, wie intensivmedizinische Maßnahmen Leben retten, aber auch komplexe Entscheidungen erfordern. Was geschieht, wenn Therapieoptionen ausgeschöpft...

  • Reinickendorf
  • 29.01.25
  • 106× gelesen
WirtschaftAnzeige
Für rund 258.000 Haushalte in Berlin Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Steglitz-Zehlendorf baut die Telekom Glasfaserleitungen aus.  | Foto: Telekom

Glasfaser-Internet hier im Bezirk
Telekom bietet 258.000 Haushalten einen Anschluss ans Glasfasernetz

Aktuell laufen die Arbeiten zum Ausbau des hochmodernen Glasfaser-Netzes in Berlin auf Hochtouren. Neue Arbeiten starten in den Bezirken Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Steglitz-Zehlendorf. Damit können nun insgesamt rund 258.000 Haushalte und Unternehmen einen direkten Glasfaser-Anschluss bis in die Wohn- oder Geschäftsräume erhalten. Die Verlegung der Anschlüsse wird im Auftrag der Telekom durchgeführt. Bis 2030 plant die Telekom insgesamt zwei Millionen Anschlüsse in Berlin zu...

  • Zehlendorf
  • 20.01.25
  • 780× gelesen
BauenAnzeige
2024 war Richtfest für die Grundschule in der Elsenstraße. | Foto: SenBJF
7 Bilder

Berliner Schulbauoffensive 2016-2024
Erfolgsgeschichte für unsere Stadt

Die Berliner Schulbauoffensive ist nach wie vor eines der zentralen Projekte unserer Stadt. Mit aktuell mehr als 44.000 neu entstandenen Schulplätzen setzt die Offensive ihre Ziele erfolgreich um. So wurden von 2016 bis 2023 bereits 5 Milliarden Euro in moderne Bildung investiert. Auch in den kommenden Jahren wird das derzeit größte Investitionsvorhaben für Schulen fortgesetzt. Die Offensive geht weiter und führt zu einer dauerhaft verbesserten schulischen Umgebung für unsere Schülerinnen und...

  • Charlottenburg
  • 13.12.24
  • 2.848× gelesen
  • 1
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.