Käufer will Haus der Gesundheit sanieren und zum Medizinzentrum entwickeln

Die AOK hat das Haus der Gesundheit verkauft. | Foto: Dirk Jericho
5Bilder
  • Die AOK hat das Haus der Gesundheit verkauft.
  • Foto: Dirk Jericho
  • hochgeladen von Dirk Jericho

Mitte.Die AOK Nordost als Eigentümerin hat das Haus der Gesundheit (HdG) in der Karl-Marx-Allee 3 an einen privaten Investor aus München verkauft. Ab 2017 soll das Haus saniert und zum modernen Medizinstandort ausgebaut werden. Weitere Ärzte sollen einziehen.

Die Befürchtung, das für den Kiez so wichtige Ärztehaus in der Karl-Marx-Allee 3 könnte schließen, ist unbegründet. Das betonten die AOK Nordost als Eigentümerin der Immobilie und Vertreter des Käufers, der nicht genannt werden möchte, auf einer Pressekonferenz. „Wir werden das Haus der Gesundheit erst wieder zum Haus der Gesundheit machen“, sagte Architekt Daniel Bormann vom Kreuzberger Büro realace, das mit der Sanierung beauftragt wurde. Bisher sei das Haus „eine große leerstehende Immobilie“.

Seit dem Auszug des Sana-Gesundheitszentrums (SGZ) als Betreiber des HdG vor zwei Jahren hat sich vor allem für die älteren und gehbehinderten Menschen im Kiez die ambulante Versorgung verschlechtert. Der Klinikkonzern Sana hatte sein Gesundheitszentrum (SGZ) mit 24 Arztstellen an das Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn verkauft. Der katholische Krankenhausträger Alexianer, dem auch das St.-Hedwigs Krankenhaus in der Großen Hamburger Straße gehört, hatte vier Arztsitze übernommen. Drei Allgemeinmediziner und ein Urologe sind beim Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) der Alexianer angestellt. Dazu gibt es im Haus noch eine niedergelassene Gynäkologin.

Verkauf wurde kritisiert

Die AOK als Eigentümerin hatte sich nach dem Auszug ihres Hauptmieters Sana für den Verkauf des Haues entschlossen und ein Bieterverfahren gestartet. „Immobilienbesitz ist keine Aufgabe einer Krankenkasse“, sagte AOK-Chef Frank Michalak. Der Verkauf wird vor allem von den Linken scharf kritisiert. Carola Bluhm, Mittes Wahlkreisabgeordnete der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus, protestiert gegen die Privatisierung und fordert, dass der Bezirk Mitte von der „Möglichkeit des kommunalen Vorkaufsrechts Gebrauch macht“. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hatte ebenfalls mitgeboten, war aber mit den von den Linken kolportierten acht Millionen Euro gescheitert.

Die AOK hat den Münchener Investor vertraglich verpflichtet, das Ärztehaus zu erhalten und wie bisher mindestens 50 Prozent der Fläche (2500 Quadratmeter) dafür zur Verfügung zu stellen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Architekt Bormann sagte, dass das HdG ein modernes Gesundheitszentrum werden soll. Vor allem für Neuzuzügler im Kiez sei das sanierungsbedürftige Haus so nicht attraktiv. Ohne dass die jetzigen Ärzte ausziehen müssen, soll das Gebäude im Bestand vom Dach bis zum Keller für mehrere Millionen Euro saniert werden. Alle Mieter wie Apotheke, Ärzte, Alexianer-MVZ oder Physiotherapie sollen bleiben. Die AOK wird ihren Servicepunkt aufgeben. Zwei Drittel der Flächen (insgesamt 5000 Quadratmeter) stehen dann leer. Der Investor will eine Nutzungsmischung rund um das Thema Gesundheit und Pflege, wie Bormann sagt. Die freien Flächen sollen an weitere Arztpraxen, Gesundheitsfachhandel und Start-up-Firmen, die sich – Stichwort Life Science – mit modernen Gesundheitskonzepten befassen, vermietet werden. Ärzte und Start-ups sollen voneinander profitieren. Wie Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) sagt, wollen die Alexianer als Hauptmieter ihr Versorgungszentrum im Haus der Gesundheit erweitern. Es gibt Pläne für ein ambulantes OP-Zentrum am Standort. Die AOK-Verkaufsklausel zum Erhalt des Ärztehauses gilt fünf Jahre. Daniel Bormann betonte aber, dass das HdG auch darüber hinaus Medizinstandort bleibt. Der anonyme Käufer besitze bereits mehrere Ärztehäuser und wolle die Immobilie nicht weiterverkaufen.

Denkmal mit Stuckmarmor

Das Haus der Gesundheit wurde 1914 als sechsgeschossiges Geschäftshaus errichtet. Das denkmalgeschützte Gebäude mit kunstvoll geschmiedeten Treppengeländern und Stuckmarmor an den Decken wurde seit 1923 als Ärztehaus genutzt. 1948 eröffnete hier am Alex die erste Poliklinik Berlins. Der Sana-Konzern hatte das Gesundheitszentrum 2005 vom Paritätischen Unternehmensverbund übernommen. Nach dem Auszug 2014 hatte der Krankenhausträger Alexianer vier Arztsitze übernommen. Der Hauptmieter will im sanierten HdG expandieren. DJ

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

48 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

Gesundheit und MedizinAnzeige
Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem.  | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Patienten fragen
Steine in der Gallenblase – was nun?

Gallensteine sind ein häufiges, aber oft unterschätztes Gesundheitsproblem. Etwa jede fünfte Person in Europa ist betroffen, und fast die Hälfte entwickelt im Laufe des Lebens Beschwerden. Diese äußern sich meist in Form von wiederkehrenden Schmerzen, insbesondere im rechten Oberbauch. In einigen Fällen können Gallensteine zu ernsthaften Komplikationen wie einer Entzündung der Gallenblase führen. Die bevorzugte Therapie bei Beschwerden ist die operative Entfernung der Gallenblase – in der Regel...

  • Reinickendorf
  • 12.02.25
  • 273× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Informieren Sie sich über Intensivmedizin. | Foto: 2022 Tomasz Kuzminski

Infoabend am 11. Februar
Grenzen und Möglichkeiten der Intensivmedizin

Die Intensivmedizin hat erstaunliche Fortschritte gemacht und bietet schwerstkranken Patienten Überlebenschancen, die früher undenkbar waren. Doch wo liegen die Grenzen dieser Hochleistungsmedizin? Welche technischen, personellen und ethischen Herausforderungen gibt es? Besuchen Sie unseren Infoabend mit Priv.-Doz. Dr. Stephan Kurz und erfahren Sie, wie intensivmedizinische Maßnahmen Leben retten, aber auch komplexe Entscheidungen erfordern. Was geschieht, wenn Therapieoptionen ausgeschöpft...

  • Reinickendorf
  • 29.01.25
  • 909× gelesen
Gesundheit und Medizin
Das Dominikus Krankenhaus informiert zur Robotik-Chirurgie bei Hüft- und Knieschmerzen. | Foto: Caritas-Klinik Dominikus

Moderne Behandlung bei Hüft- und Knieschmerzen
Informationsabend Robotik-Chirurgie

Hüft- und Knieschmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität und werden oft durch Verschleiß, Unfälle oder Fehlstellungen verursacht. Moderne Technologien wie die Robotik-Chirurgie bieten neue Möglichkeiten für eine präzisere und minimalinvasive Behandlung. Am 4. Januar laden wir Sie herzlich zu einem Informationsabend ein, bei dem Chefarzt Tariq Qodceiah, Leiter des Caritas Hüftzentrums, die Vorteile der Robotik-Chirurgie bei Hüft- und Knieschmerzen erläutert. Er erklärt, wie diese innovative...

  • Reinickendorf
  • 12.02.25
  • 252× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.