Vergnügen ohne Störung der Anwohner
Mit dem Nachtbürgermeister kommt eine Amsterdamer Idee in den Regenbogenkiez

Das Tiny House auf dem Bürgerplatz an der Ecke Eisenacher und Fuggerstraße ist Standort für "Nachtbürgermeister" und "Nachtlichter". | Foto: KEN
  • Das Tiny House auf dem Bürgerplatz an der Ecke Eisenacher und Fuggerstraße ist Standort für "Nachtbürgermeister" und "Nachtlichter".
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Der Regenbogenkiez im Schöneberger Norden hat mehrere Facetten: Er ist ein beliebtes Ausgehviertel für Homosexuelle aus Berlin, Deutschland und der ganzen Welt. Gleichzeitig hat der Kiez mit Kriminalität zu kämpfen. Kein Tag ohne Polizeieinsatz.

Lange war er als „kriminalitätsbelasteter Ort“ eingestuft. Das Viertel ist dreckig. Wer kann, zieht weg. Bürgermeisterin Angelika Schöttler (SPD) will den Kiez mit drei Pilotprojekten „weiterentwickeln“. Ihr Ziel ist es, Vergnügen und Wohnen unter einen Hut zu bringen – verträglich. Dazu hat sich die Bürgermeisterin etwas in Amsterdam abgeschaut, nämlich den „Nachtbürgermeister“ (Night Mayor), die „Nachtlichter“ (Place Hosts) und den „Kiezinfopoint“. In der niederländischen Metropole seien mit diesen Institutionen gute Erfahrungen gemacht worden, sagt Angelika Schöttler.

Der Schöneberger „Nachtbürgermeister“ ist ein Drei-Personen-Team, seine Aufgabe, ein neues Tourismuskonzept zu entwickeln. Der „Nachtbürgermeister“ soll zwischen Kneipiers, Klub- und Hotelbesitzern auf der einen Seite und Anwohnern auf der anderen Seite vermitteln, Konflikte früh erkennen und schlichten sowie einen Präventionsrat und „Impulsgruppen“ mit Akteuren aus dem Kiez organisieren: Nachtleben ohne Störung der Anwohner also.

Federführend beim Night-Mayor-Projekt ist die neue Stabsstelle „Dialog und Beteiligung“ mit Patrick Rein an der Spitze. Sie ist im Büro der Bürgermeisterin angesiedelt. Von hier wird auch das zweite Projekt gesteuert, die „Nachtlichter“, eine Art „Kiezläufer“, eine Weiterentwicklung der Parkläufer, die im Nelly-Sachs-Park und im Kleistpark nach dem Rechten sehen. Aufgabe der vorerst zwei Teams mit je zwei Personen ist es, Präsenz zu zeigen und so das Sicherheitsgefühl der Anwohner zu erhöhen. Ihr Motto lautet: Hingucken, wo andere weggucken.

Dritte Säule ist der Kiezinfopoint. Es handelt sich um ein Tiny House, ein Häuschen auf Rädern, wie sie der Architekt Van Bo Le-Mentzel als Wohnalternative entwickelt hat. Der Winzling aus Holz, den Visit Berlin bereitstellt, besitzt einen Empfangsbereich und einen Besprechungsraum. Er steht auf dem kleinen Platz an der Ecke Fugger- und Eisenacher Straße. Montags bis freitags 16 bis 18 Uhr wird das Nachtbürgermeisterteam dort vor Ort sein. In den Abend- und Nachtstunden von Freitag bis Sonntag sowie an Feier- und Brückentagen immer von 22 bis 4 Uhr, ist das Informationshäuschen Ausgangspunkt für die patrouillierenden „Nachtlichter“. Die offizielle Einweihung ist für den 19. März 11 Uhr geplant.

Mit der Organisation des Teams „Nachtbürgermeister“ hat das Bezirksamt „Maneo – Das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin“ beauftragt. Für die „Nachtlichter“ hat diese Aufgabe die Firma SI³ übernommen. Beide Projekte laufen bis 31. Dezember 2021.

Der Nachtbürgermeister wird mit 170 000 Euro für beide Jahre vom Land Berlin finanziert. Die Nachtlichter erhalten in diesem Jahr vom Land rund 80 000 Euro. Für 2021 ist eine Anschlussfinanzierung vorgesehen. Ob beide Projekte über 2021 hinaus Bestand haben, hängt von den gewährten Mitteln ab. Im Herbst 2021 sind Wahlen in Berlin.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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