CDU fordert zusätzliche Deutschkurse für Schüler
Nachsitzen in den Ferien

Rund 13 Prozent der Berliner Schüler beenden ihre Schulzeit ohne Abschluss.

Deshalb ist es richtig, dass die Berliner CDU auf dieses Problem hinweist. Denn es wurde nach meiner Meinung bisher eher ignoriert oder beschönigt. Ich habe aber Zweifel daran, dass die Mittel, die die Union zwecks besserer Lernleistungen verabreichen will, wirken. Schwänzer sollen mit Hilfe elektronischer Kontrolle aufgespürt werden. Das ist überzogen. Wenn jemand ständig fehlt, müsste das den Lehrkräften auffallen. Eigentlich.

Schüler, die über unzureichende Deutschkenntnisse verfügen, möchte die CDU zum Nachlernen in den Ferien vergattern. Ich glaube nicht, dass das was bringt. Bei den Einschulungsuntersuchungen wird geprüft, wer unserer Landessprache nicht oder nur bedingt mächtig ist. Danach bleiben mindestens zehn Schuljahre, um das zu ändern. Dass es in vielen Fällen nicht gelingt, ist der eigentliche Skandal. Wie wäre es mit zusätzlichem Unterricht? Oder anderen verpflichtenden Förderangeboten in Kleingruppen oder individuell? Aber alles während der Schulzeit. Denn warum soll in den Ferien gelingen, was zuvor misslungen ist? Ich glaube eher, dass das "Nachsitzen" weiter frustriert statt motiviert – auch die dafür abgestellten Lehrer.

Die Union begründete ihren Vorstoß vor allem mit wirtschaftlichen Erwägungen. Berlin könne es sich nicht leisten, so viele Schulabgänger ohne Abschluss zu produzieren, die für den Arbeitsmarkt kaum oder gar nicht geeignet sind. Das ist richtig, greift aber ebenfalls zu kurz. Anzusetzen ist bei jedem einzelnen potenziellen Schulversager. Ihm muss früh klar gemacht werden, dass er sich mit Lernabstinenz seine Zukunft verbaut. Diese Lektion ist bei laufendem Schulbetrieb zu erteilen. Nicht in den Ferien.

Sollen Schüler mit mangelhaften Deutschkenntnissen in den Ferien nachsitzen?
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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