Fordernd, unbequem, niemals langweilig
Zum Tod des Reinickendorfer SPD-Bezirksverordneten Gerald Walk

Der SPD-Verordnete Gerald Walk wurde 72 Jahre alt. | Foto:  Nils Hasenau
  • Der SPD-Verordnete Gerald Walk wurde 72 Jahre alt.
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Seinen letzten politischen Termin absolvierte Gerald Walk Mitte November. Er war mit dabei, als es bei einem Treffen mit Schulleiterinnen und Schulleitern um die dringend benötigte weitere Grundschule in Reinickendorf-Ost ging. Gut zwei Wochen danach ist Gerald Walk im Alter von 72 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben.

Von einer „spürbaren Lücke“ sprach die Reinickendorfer SPD in ihrer Würdigung und vom Verlust eines „sozialdemokratischen Urgesteins“. Das Attribut benutzte auch BV-Vorsteherin Kerstin Köppen (CDU), zu Beginn der Sitzung am 13. Dezember.

Gerald Walk war präsent, streitbar, fordernd. „Es hätte ihn geärgert, wenn er mit einer seiner Reden die Bezirksverordneten gelangweilt hätte“, hieß es ebenfalls im Nachruf seiner Genossen.

Walk war bis zuletzt ein „König der Anfragen“ in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Häufig bezogen sie sich auf die Bildungspolitik, was wohl an seinem beruflichen Hintergrund gelegen hat. Gerald Walk war Lehrer, Oberschulrat und Mitarbeiter der Senatsbildungsverwaltung. Aber er stellte auch Anfragen zu Müllproblemen, zur Sozialpolitik oder die Situation in den Bürgerämtern.

BVV-Mitglied wurde Gerald Walk erst 2016, nachdem er zuvor bereits als Bürgerdeputierter im Schulausschuss gewirkt hatte. Jahre zuvor hatte seine Frau Karin der BVV angehört. Vielleicht sei die späte Berufung als Bezirksverordneter ein Grund für seine gelegentliche Ungeduld gewesen, mit der er seine politischen Ziele verfolgte, mutmaßte seine Partei. „Er wusste, es ist ein Amt auf Zeit und man muss sich schon beeilen, um etwas für die Wählerinnen und Wähler zu erreichen“. Denn die Nähe zur Bevölkerung war ihm immer wichtig.

Er wollte unbequem sein, wenn er etwas erreichen wollte, beschrieb ihn Kerstin Köppen. „Er stand für seine Positionen ein und ging einem Streit nie aus dem Weg“. Demokratie bedeutete für Gerald Walk auch, einen Meinungsstreit offen auszutragen und um den besten Weg im Interesse des Bezirks und seiner Bewohner zu ringen. „Mit dem Tod eines Menschen verlieren wir vieles, aber nicht mehr die gewesene Zeit“, sagte Kerstin Köppen ebenfalls in ihrer Würdigung.

Auch wegen des Todes von Gerald Walk war die Tagesordnung der BVV verkürzt worden. Die Sitzung endete bereits nach den mündlichen Anfragen. Heftige Debatten waren zuvor ausgeblieben.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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