Der große Jahresrückblick 2022 für Reinickendorf

Erst am 12. Januar war das Bezirksamt komplett. Vorne Bürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) und seine Stellvertreterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Zweite Riehe: Julia Schrod-Thiel (CDU) und Alexander Ewers (SPD). Hintere Reihe: Korinna Stephan (Bündnis90/Die Grünen) und Harald Muschner (CDU).  | Foto:  Thomas Frey
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  • Erst am 12. Januar war das Bezirksamt komplett. Vorne Bürgermeister Uwe Brockhausen (SPD) und seine Stellvertreterin Emine Demirbüken-Wegner (CDU). Zweite Riehe: Julia Schrod-Thiel (CDU) und Alexander Ewers (SPD). Hintere Reihe: Korinna Stephan (Bündnis90/Die Grünen) und Harald Muschner (CDU).
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Der russische Überfall auf die Ukraine und seine Folgen hat auch in Reinickendorf das abgelaufene Jahr überschattet. Corona blieb ebenfalls ein Thema. Dazu gab es manche weitere Probleme, aber auch freudige Ereignisse.

Die ersten Geflüchteten aus der Ukraine am 26. Februar im Ankunftszentrum auf dem KaBoN-Gelände. | Foto: Thomas Frey
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Das Kind mit dem Teddybär. Der Krieg in der Ukraine begann am Morgen des 24. Februar. Am Abend des 25. Februar erreichten die ersten Geflüchteten Berlin und das Ankunftszentrum, das sich zunächst auch für Ukraine-Flüchtlinge auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenheilanstalt (KaBoN) befand. In den ersten Tagen kamen nur wenige Geflüchtete an. Vielleicht blieben deshalb die Menschen und Szenen aus dieser Zeit besonders gut in Erinnerung wie das kleine Mädchen, fünf Jahre alt, das einen Teddybär ganz fest an sich drückte.

Der Andrang auf dem KaBoN-Gelände sprengte sehr schnell die Kapazitäten. Am 20. März wurde ein eigenes Ukraine-Ankunftszentrum auf dem ehemaligen Flughafen Tegel eingerichtet. Es gab und gibt eine große Hilfsbereitschaft in Form von Geld- und Sachspenden und viel Eigeninitiative. Die Verwaltung wurde ebenfalls vor einige Herausforderungen gestellt. Der Ernst-Reuter-Saal war zeitweise das Ukraine-Sprechzimmer des Sozialamtes. In den Schulen mussten Willkommensklassen eingerichtet.

Putins Krieg hat direkte Auswirkungen auf uns alle. Zu merken ist das vor allem an der hohen Inflation und exorbitanten Kosten für Energie. Dagegen gehalten wird mit reduzierten Temperaturen in Büros, öffentliche Einrichtungen und Schwimmbädern, auch einer ausgesetzten Beleuchtung an Dorfkirchen, im Tegeler Hafen oder am S-Bahnhof Frohnau. Bibliotheken dienen auch in Reinickendorf als „Wärmeinseln“.

Drei Anläufe. Nach den Berlin-Wahlen vom September 2021 dauerte es bis zum 12. Januar, um ein neues Bezirksamt zu bilden. Die Fraktionen der „Reinickendorfer Ampel“ aus SPD, Grünen und FDP hatten Vorbehalte gegen die CDU-Kandidatin Emine Demirbüken-Wegner und lehnten ihre Wahl als Stadträtin zunächst ab. Grund dafür war ein Wahlplakat der CDU-Politikerin, das sich auf drastische Weise gegen eine Flüchtlingsunterkunft am Paracelsus-Bad ausgesprochen hatte. Erst beim dritten Wahlgang endete das politische Tauziehen durch Stimmenthaltung von Grünen und FDP.

Lockerer Umgang mit Corona. Die Pandemie gab es irgendwie auch noch - wenn auch die meiste Zeit eher als gefühlte Randerscheinung. Ende Mai schloss das Impfzentrum auf dem einstigen Tegeler Airport-Areal. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz hatte in Reinickendorf zu Jahresbeginn einen Wert von knapp 2000. Gegen Ende des Jahres liegt sie bei 234.

Der Ex-Flughafen Tegel. Was auf dem Areal jetzt passiert, war auch 2022 ein durchgehendes Thema. Nach seinem Standort als große Impfstation hat er durch den Ukrainekrieg als Ankunftszentrum eine ebenfalls so nicht vorgesehene weitere Funktion bekommen. Gerade dadurch ist inzwischen absehbar, dass die eigentlichen Pläne teilweise wahrscheinlich erst mit Verspätung umgesetzt werden können. Das betrifft vor allem den Bau der Urban Tech Republic, einem Wirtschafts- und Wissenschaftsanker, der sich rund im die Berliner Hochschule für Technik gruppieren soll.

Erster Spatenstich für das Familienzentrum in der Rollbergesiedlung. | Foto: Thomas Frey
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Großes Interesse beim Beteiligungsspaziergang auf dem Areal der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik. | Foto: Thomas Frey
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Wohnungsbau. Auch an anderen Stellen haben Bauvorhaben begonnen oder sind in Planung. In der Cité Foch erfolgte am 14. Oktober der Spatenstich für zunächst 140 neue Wohnungen für Beschäftigte des Bundes. In der Rollbergesiedlung war am 13. September der Start für 125 Wohnungen und ein Familienzentrum. 600 Wohneinheiten sollen eines Tages auf dem Gelände der ehemaligen Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik entstehen. Dieses Projekt war zuletzt immerhin in der Beteiligungsphase.

Wieder da, aber bleibt das so? Die wiedereröffnete Galeria im Tegel Quartier. | Foto:  Thomas Frey
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Am 13. Oktober fand die Wiedereröffnung von Galeria Karstadt Kaufhof im Tegel Quartier statt, zwei Tage später die Einweihung der Fußgängerzone Gorkistraße. An der Gestaltung der Fußgängerzone gibt es Kritik: zu wenig Grün, zu wenige Sitz- und Verweilmöglichkeiten.

Eröffnung der Fußgängerzone Gorkistraße am 15. Oktober. | Foto: Thomas Frey
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Verkehrsprobleme. Seit dem 7. November ist Tegel ohne U-Bahn. Im Abschnitt zwischen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel finden umfangreiche Sanierungsarbeiten statt, die bis Frühjahr 2025 dauern sollen. Davon sind bis zu 30 000 Fahrgäste täglich betroffen. Ein Schienenersatzverkehr wurde eingerichtet.

Hier fährt bis Frühjahr 2025 kein Zug. Der Bahnhof Scharnweberstraße an der U6. | Foto:  Thomas Frey
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Die U-Bahnbaustelle gibt auch einen Vorgeschmack auf das, was an weiteren Verkehrsproblemen auf den Bezirk zurollt. Bereits die Bauarbeiten im Tunnel Tegel Ortskern im Oktober verursachten Sperrungen und Umleitungen. Und in einigen Jahren soll die Autobahn über einen langen Zeitraum saniert werden.

Weiter ging 2022 auch die unendliche Geschichte um die Verkehrsberuhigung im Waldseeviertel. Nach den jüngsten Ankündigungen der Grünen-Baustadträtin Korinna Stephan soll die Schildower Straße zu einer Fahrradstraße werden.

Jubiläum. Tegel feierte seinen 700. Geburtstag mit Führungen und zahlreichen Veranstaltungen. Es gab auch gleich zwei Ausstellungen zu diesem Anlass, eine im Auftrag des Bezirks im Reinickendorf-Museum und eine in den Hallen am Borsigturm. Und Lübars durfte sogar auf 775 Jahre Ortsgeschichte zurückblicken.

Ein weiteres rundes Jubiläum konnte die Schulfarm Insel Scharfenberg begehen. Sie besteht nun seit 100 Jahren. Das Jubiläumsjahr wurde jedoch überschattet von der bis zum Jahresende noch nicht geklärten Zukunft des kommissarischen Leiters der Schule, Matthias Völzke.

Das Paracelsus-Bad ist noch bis 2024 Baustelle. | Foto:  Thomas Frey
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Baden gehen. Das Paracelsus-Bad soll um ein Außenschwimmbecken ergänzt werden. Doch zunächst muss die Sanierung des Bestandsgebäudes abgeschlossen werden, was 2024 erfolgen soll.

Das wiedereröffnete Strandbad Tegelsee ging 2022 in seine zweite Saison. Noch ist vieles dort unfertig. Auch die Zukunft erscheint nicht gesichert, weil das Strandbad in einem Naturschutzgebiet liegt und damit größere Veranstaltungen nicht genehmigt werden. Ohne diese Einnahmen sei der Betrieb des Strandbades aber auf Dauer nicht machbar, erklärte die Betreiberin, die Strandbad Tegelsee gGmbH.

Ungewisse Zeiten für das Strandbad Tegelsee. | Foto: Thomas Frey
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Im Sommer musste Abschied vom Fahrgastschiff Moby Dick genommen werden. Künftig legt das Schiff nicht mehr von der Greenwichpromenade ab. Der Heimathafen der Moby Dick ist jetzt in Treptow.

Wieder zur Wahl. Am 16. November hat das Landesverfassungsgericht Berlin entschieden, dass die Abgeordnetenhaus- und BVV-Wahlen vom 26. September 2021 wiederholt werden müssen. Der Grund dafür waren die zahlreichen Pannen und teilweise chaotischen Zustände am damaligen Wahltag.

Spätestens seit diesem Richterspruch sind die Parteien im Wahlkampf. Dieser ist aber nur relativ kurz, denn bereits am 12. Februar wird gewählt.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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