Erinnerungskultur per App
Initiative entwickelte Smartphone-App zur Geschichte der Berliner KZ-Außenlager

Leon Schwarzbaum , 97 Jahre, war Zwangsarbeiter bei Siemens in Auschwitz und in Berlin-Haselhorst und wohnte der Präsentation der Erinnerungs-App bei.  | Foto: Eva Niggemann
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  • Leon Schwarzbaum , 97 Jahre, war Zwangsarbeiter bei Siemens in Auschwitz und in Berlin-Haselhorst und wohnte der Präsentation der Erinnerungs-App bei.
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Die Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ) hat eine App entwickelt, mit der die Geschichte der KZ-Außenlager in Berlin erzählt wird. Am 23. Januar wurde die App „satellite camps“ offiziell vorgestellt und freigegeben.

Im Mittelpunkt der satellite camps-App stehen die KZ-Außenlager, die von der SS 1942 und im Verlauf des Jahres 1944 im gesamten Berliner Stadtgebiet errichtet wurden. Das Außenlager Lichterfelde war eines der ersten in Berlin. Sechs von diesen Lagern werden in der Smartphone-App der IKZ beispielhaft vorgestellt. Durch Bilder, Texte, Zeitzeugeninterviews, Originaldokumente und Eindrücke vom Ort, wie er heute ist, wird dem Nutzer die Geschichte der Außenlager und das Schicksal der Menschen, die dort leben mussten, nahe gebracht. 14 dieser Menschen kommen als Zeitzeugen zu Wort.

Einer der wenigen noch lebenden Zeitzeugen ist Leon Schwarzbaum. In der App erzählt er von der Haft im KZ und der Zwangsarbeit im Dienste der Rüstungswirtschaft in und um Berlin. „Wo heute die Metro ist, da war unser Lager,“ sagt Leon Schwarzbaum. Er hatte Glück im Unglück. Als Jude wurde er 1943 verhaftet und nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Dort bestand er einen Eignungstest, der ihn als Zwangsarbeiter für Siemens qualifizierte. Die Firma stellte damals im KZ-Außenlager Auschwitz-Bobrek Werkzeuge für den Flugzeugbau her. Als 1945 das KZ Auschwitz kurz vor seiner Befreiung geräumt wurde, sorgte Siemens dafür, dass ihre Zwangsarbeiter nach Berlin verlegt wurden, um dort weiter für den Konzern zu arbeiten. So kam Schwarzbaum in eines der vielen Außenlager des KZ Sachsenhausen, das sich in Berlin-Haselhorst befand. Zur Präsentation der App war auch Leon Schwarzbaum dabei.

„Wir wollen die Erinnerung lebendig erhalten, auch wenn bald die, die das Leben im Lager erlitten haben, nicht mehr persönlich Zeugnis ablegen können“, sagt Thomas Schleissing-Niggemann, der Vorsitzende der IKZ. Die Initiative hat viele Jahre lang ehemalige Häftlinge des Außenlagers Lichterfelde nach Berlin eingeladen und dafür gesorgt, dass sie vor Schülern über ihre Erinnerungen berichten konnten. In den letzten Jahren sind es immer weniger geworden. So entstand die Idee zu dem App-Projekt. „Durch eine Zuwendung der Lottostiftung konnten wir in Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Sachsenhausen dieses Projekt verwirklichen.“ Ein Jahr lang hat die Arbeit der Ehrenamtlichen am Projekt gedauert. Unterstützt wurde die Initiative vom Historiker Thomas Irmer als Kurator und die Firma exozet, die sich um die digitale Umsetzung kümmerte.

Seit dem 23. Januar ist die App im App Store und im Google Play Store kostenlos für Smartphones und Tablets verfügbar. Die App ist in deutscher, englischer und arabischer Sprache sowie in Leichter Sprache verfügbar.

Leon Schwarzbaum , 97 Jahre, war Zwangsarbeiter bei Siemens in Auschwitz und in Berlin-Haselhorst und wohnte der Präsentation der Erinnerungs-App bei.  | Foto: Eva Niggemann
Bei der Präsentation der App (von links): Thomas Schleissing-Niggemann von der Initiative KZ-Außenlager Lichterfelde (IKZ), Projektleiterin Laura Schröder und  Henry Bauer von exozet, Annette Pohlke von der IKZ und Kurator Thomas Irmer.  | Foto: Eva Niggemann
Autor:

Karla Rabe aus Steglitz

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